Veganes Hundefutter –  ein fragwürdiger Trend

Veganes Hundefutter

Wir leben in einer grausamen Welt, in der männliche Küken vergast, Kälber von ihren Müttern getrennt und Tiere wie am Fließband geschlachtet und katastrophal gehalten werden. Kein Wunder, dass mehr und mehr Menschen den Wunsch verspüren, kein Teil dieser Maschinerie sein zu wollen. Der Gedanke, Tierleid zu mindern, aktiv dazu beizutragen, den eigenen ökologischen Fußabdruck möglichst zu verringern und sich daher aus ethischen Gründen nur vegan zu ernähren, ist nachvollziehbar und richtig! Weniger nachvollziehbar hingegen ist, ein fleischfressendes Tier wie einen Hund oder eine Katze ebenfalls vegan zu ernähren. Denn während uns Menschen eine eher pflanzlich betonte Kost noch gut tut, hat sie offensichtliche Nachteile für den eigenen Vierbeiner und torpediert damit im Grunde den dahinterliegenden Tierschutzgedanken. Schauen wir uns einige der Gründe dafür an.

Veganes Futter ist nicht artgerecht

Hunde sind wie ihre Vorfahren die Wölfe s. g. fakultative Carnivore. Das heißt, sie sind Fleischfresser, nehmen aber auch pflanzliche Nahrung auf. Die Betonung liegt hier auf „auch“ und nicht auf „pflanzliche Nahrung“. Hunde und Wölfe sind auch noch heute derart nah miteinander verwandt, dass bei einer Verpaarung zeugungsfähige Nachkommen entstehen. Das unterstreicht die extreme genetische Nähe beider Spezies. Das natürliche Futter für Wölfe sind Beutetiere und demnach ist das Verdauungssystem von Hunden, genau wie das ihrer Vorfahren, auf die Verwertung hauptsächlich tierischer Bestandteile ausgerichtet. Die Anpassung an tierische Nahrungsquellen zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Anatomie und Physiologie von Hunden. Angefangen vom Fleischfressergebiss, über die Enzymausstattung bis hin zum kurzen Darm. Weder verfügen Hunde über Verdauungsenzyme im Speichel, noch ist ihr Verdauungssystem so aufgebaut, dass es zur Verwertung großer Mengen pflanzlicher Nahrung geeignet wäre. Pflanzenfresser beispielsweise verfügen über einen wesentlich längeren Darm und die Fähigkeit, große Mengen an Pflanzennahrung zu fermentieren. Auch wenn der Mensch noch so sehr in das äußere Erscheinungsbild des Hundes eingegriffen hat, zum Pflanzenfresser sind unsere Vierbeiner deswegen noch nicht geworden (auch wenn sie Kohlenhydrate vermeintlich besser verwerten können als ihre Ahnen).

Wichtige Nährstoffe fehlen

Die Fleischfressereigenschaft von Hunden wird auch durch ihren Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen sowie Fett- und Aminosäuren unterstrichen. Einige Nährstoffe, die nur in tierischen Produkten vorkommen, sind für sie essenziell. So benötigen sie beispielsweise recht viel Vitamin B12 sowie die Fettsäuren EPA und DHA (die Hunde nur in ganz geringem Umfang selbst herstellen können) oder Arachidonsäure. Zudem benötigen Hunde beispielsweise Vitamin B3, welches zwar auch in pflanzlicher Nahrung wie Getreide vorkommt, dort aber in einer gebundenen Form vorliegt, sodass der Hund sie nicht aufnehmen kann. Auch Zink und Eisen aus pflanzlichen Quellen kann der Hund wesentlich schlechter verwerten als die Varianten aus Tierprodukten. Es ist auch nachgewiesen, dass die Aminosäurenzusammensetzung und die Verdaulichkeit tierischer Proteine, wie sie im Fleisch oder Innereien vorkommen, wesentlich besser sind als jene von pflanzlichen Proteinen. Protein gilt dann als hochwertig, wenn es gut verdaulich ist und die Zusammensetzung der vom Körpergewebe ähnelt. Hunde bestehen aber eben nicht aus Weizenprotein oder Soja. In diesen Proteinquellen sind bestimmte, essenzielle Aminosäuren einfach unterrepräsentiert, was dazu führt, dass man wesentlich mehr des pflanzlichen Proteins füttern muss, um den Bedarf zu decken. Beispielsweise besteht mittlerweile der Verdacht, dass auch Hunde zur Vermeidung von Herzerkrankungen eine nur in tierischen Geweben vorkommende Aminosäure namens Taurin im Futter benötigen, weil die Eigensynthesekapazität eingeschränkt ist oder durch bestimmte Umstände gemindert wird. Die genannten Punkte führen unweigerlich dazu, dass bei veganem Futter synthetische Nährstoffe ergänzt werden müssen. Diese sind mitunter schlechter verwertbar oder gar gesundheitlich bedenklich und dabei wird vernachlässigt, dass ein ganzes Nahrungsmittel mehr ist als die Summe seiner uns bekannten Nährstoffe ist (ein Apfel liefert mehr als Vitamin C und wer weiß, was noch enthalten ist, wovon wir gar nichts wissen).

Die Nährstoffaufnahme wird gehemmt

Die in veganem Futter eingesetzten Komponenten wie Getreide, Soja oder Hülsenfrüchte enthalten einige Stoffe, s. g. diätische Antagonisten, die zum einen die Aufnahme bestimmter Nährstoffe wie z. B. von Zink, Magnesium, Calcium oder Eisen sehr stark hemmen (z. B. Phytat). Das führt dazu, dass bis zu 75 % dieser Mineralstoffe nicht absorbiert werden können – die s. g. Bioverfügbarkeit sinkt. Das bedeutet, dass Tiere, die größere Mengen der genannten Futtermittel zu sich nehmen, wesentlich mehr dieser Nährstoffe aufnehmen müssen. Auf der anderen Seite sind in diesen Futtermitteln enthaltene Stoffe aber auch in der Lage, die Bauchspeicheldrüse, die Darmschleimhaut oder die Darmflora nachhaltig zu schädigen (z. B. Lektine, Alpha-Amylase-Hemmer, Glyphosat). Diese Schädigung kann sich stark auf die Gesundheit des Tieres auswirken. Zudem hat ein hoher Anteil an Kohlenhydraten in der Nahrung, durch den starken Einsatz stärkehaltiger Futtermittel weitere gesundheitliche Nachteile (mehr dazu hier).

Entzündungsfördernde Inhaltsstoffe

Neben den bereits genannten Stoffen, die sich nachteilig auswirken können, gibt es ein weiteres Problem. Fleischfresser decken ihren Energie- und Fettsäurenbedarf über das Fett, das sie mit der Beute aufnehmen. Bei artgerechter Haltung des Beutetiers liegt dort ein Omega-3:Omega-6-Fettsäurenverhältnis von etwa 1:2,5 vor. Getreide, Kartoffeln, Soja und Hülsenfrüchte liefern recht wenig Fett, aber der enthaltene Fettanteil ist sehr Omega-6-Fettsäuren-lastig. Werden dem veganen Futter dann noch weitere pflanzliche Fette hinzugefügt, steigt der Anteil dieser n6-Fettsäuren noch weiter an (Ausnahme Kokosöl). Im Endeffekt erreicht man im Futter einen massiven n6-Fettsäuren-Überschuss. Dies hat zur Folge, dass entzündliche Prozesse im Körper gefördert werden, weil aus n6-Fettsäuren entzündungsfördernde Eicosanoide der Serie 2 und 4 entstehen. Außerdem fehlt es dem Futter dann schlichtweg an lebenswichtigen Omega-3-Fettsäuren (z. B. Linolensäure, DHA, EPA). Will man diesem Effekt entgegenwirken, indem man dem Futter z. B. stark Omega-3-Fettsäuren haltiges Leinöl hinzufügt, führt das nicht unbedingt zum gewünschten Ergebnis. Die darin enthaltenen Fettsäuren können sehr schnell oxidieren, also ranzig werden und eine Aufnahme oxidierter Fettsäuren ist gesundheitsschädlich. Leinöl kann weder lange gelagert, noch erhitzt werden. Damit sollte der Einsatz im veganen Fertigfutter ausscheiden.

pH-Wert und Darmflora verändern sich

Pflanzliche Futtermittel neigen dazu, die Magensaftsekretion zu hemmen. Dies hat zur Folge, dass der pH-Wert im Magen nicht tief genug abfällt, was beispielsweise den Wirkungsgrad bestimmter Enzyme herabsetzt oder einfach nur dazu führt, dass Mikroorganismen im Futter nicht effektiv abgetötet werden. Auch sinkt die Verdaulichkeit der Futtermittel. Der zu hohe pH-Wert im Magen führt letztendlich dazu, dass auch im Dünndarm und Dickdarm ebenfalls ein zu basisches Milieu entsteht. Dies beeinträchtigt nicht nur die Enzyme, sondern kann auch zu einer s. g. Dysbiose (Darmflorafehlbesiedelung) führen, denn die „guten“ Darmbakterien sind bei Hunden nicht auf pflanzliche Nahrung eingestellt. Führt man diese dennoch in großen Mengen zu, kann es zu einer Fehlbesiedlung und damit zu entsprechenden Verdauungsproblemen kommen. Zudem verändert die pflanzliche Nahrung den pH-Wert im Urin des Hundes. Dieser wird basischer, was zu vermehrter Harnkristallbildung führen kann.

Fertigfutter verkürzt die Lebenserwartung

Im Jahre 2003 untersuchten zwei belgische Forscher in „Relation between the domestic dogs‘ well-being and life expectancy“ den Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden und der Lebenserwartung des Haushundes. Es wurden Daten von insgesamt 522 Hunden, 74 verschiedener Rassen untersucht. Das Ergebnis der Studie lautete, dass die Lebenserwartung von Hunden um etwa drei Jahre verkürzt ist, wenn diese ausschließlich Fertigfutter bekamen, wohlgemerkt nicht speziell veganes Futter, nur handelsübliches Fertigfutter mit dem üblicherweise niedrigem Fleischanteil. Die Autoren vermuteten, dass u. a. die meist pflanzliche Proteinbasis von Fertigfutter und die enthaltenen Zusatzstoffe dazu führten. Da sich die Zubereitung von veganem Hundefutter zuhause schwierig gestaltet (schließlich muss man eine ganze Reihe von Zusatzstoffen einsetzen, um überhaupt die Nährstoffversorgung zu gewährleisten), werden die meisten Tierhalter, die ihren Hund vegan ernähren, wohl auf Fertigfutter zurückgreifen. Demnach wird die Lebenserwartung des Tieres statistisch gesehen deutlich reduziert.

Veganes Futter bei Unverträglichkeiten?

Häufig wird angeführt, dass veganes Hundefutter gerade dann sinnvoll ist, wenn das Tier unter einer Unverträglichkeit leidet und daher kein tierisches Protein verträgt. Zum einen sind derartige Futtermittelintoleranzen eher selten, denn häufig reagieren die Tiere nicht auf „tierisches Protein“, sondern auf „Protein vom Rind“ oder „Protein vom Huhn“. Im Übrigen sind auch „Sojaprotein“ oder „Weizenprotein“ häufige Allergene. Das heißt, man findet fast immer einen alternativen tierischen Proteinlieferanten z. B. Fisch, Kaninchenfleisch oder Rentier. Es mag Fälle geben, in denen ausschließlich vegane Proteinlieferanten übrig bleiben. Aber das ist eben selten. In allen anderen Fällen gilt zu beachten, dass man hier die Nachteile der veganen Fütterung in Kauf nehmen muss. Deswegen sollte man sich gut überlegen, ob man nicht vielleicht doch nach einer tierischen Proteinquelle sucht, die für ein carnivores Tier wesentlich besser geeignet ist. Denn auch, wenn es anfänglich den Anschein macht, als würde ein Hund ein Futter gut vertragen, heißt das nicht, dass die Spätfolgen abzuschätzen sind. Es gibt keinerlei Langzeitstudien zum Vergleich von naturbelassener, fleischbasierter Nahrung im Vergleich zu stark verarbeiteter, veganer Nahrung für Hunde, sodass das Risiko nicht beurteilt werden kann. Und ein „Mein Hund sieht doch gut aus.“ ist kein Beleg dafür, dass es dem Tier damit auch 100%ig gut geht. Hunde sind recht anpassungsfähig und können auch Fehlernährung recht lange „wegstecken“, bevor es letztendlich zu Problemen kommt.

Umgang mit dem ethischen Problem der Fütterung

Leider kommt man nicht umhin, ein fleischfressendes Tier auch fleischbasiert zu ernähren. Wer einen Hund oder eine Katze vegan ernährt, mag dazu beitragen, das Leid von Masttieren zu reduzieren, nimmt aber damit billigend in Kauf, dass das eigene Tier dadurch Nachteile erleidet. Nachteile, die teilweise unkalkulierbar sind. Was also kann man tun, außer auf die Haltung eines Hundes zu verzichten? Nun, man kann versuchen, das Fleisch, was man füttert aus artgerechter Tierhaltung zu beschaffen und natürlich sollte man nach Möglichkeit Komponenten füttern, die ohnehin bei der „Produktion“ für den Humanbedarf anfallen. Wird beispielsweise ein Rind oder ein Schaf geschlachtet, kann nur etwa 50 % des Tiers für den menschlichen Bedarf verwertet werden, der Rest ist „Abfall“. Wird beim Transport von Fleischprodukten nicht konstant die gesetzlich vorgeschriebene Kühltemperatur eingehalten, wird die ganze Ladung ebenfalls zu „Abfall“. Allerdings stellt dieser „Abfall“ für Hunde oftmals eine gute Nahrungsgrundlage dar. Wenn schon ein Tier sterben muss, so sollte man es wenigstens zu 100 % verwerten. Wem das als Basis für ein reines Gewissen nicht ausreicht, der sollte sich wirklich überlegen, ob ein Hund das richtige Haustier ist. Jedes Lebewesen hat ein Anrecht auf artgerechte Ernährung – auch der eigene Vierbeiner…

Quellen:
Cordain, L. (2011): Getreide – zweischschneidiges Schwert der Menschheit
Hand, S. et al. (2010): Small Animal Clinical Nutrition
Quellen: NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats

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