BARF – eine Gefahr für die Menschheit?

BARF gefährlich

Kritiker von Rohfütterungsmethoden führen immer wieder ins Feld, wie gefährlich BARF sei, weil das rohe Fleisch krankmachende Keime enthält. Diese Bakterien wären nicht nur für den roh gefütterten Hund ein Problem, sondern vor allem auch für die mit dem Tier im Haushalt lebenden Personen, vor allem Schwangere und kleine Kinder. Zur Untermauerung dieser Argumentation werden immer wieder Studien zitiert, die die Gefahr angeblich belegt haben. Aber ist dem so? Ist ein gebarfter Hund im Gegensatz zu einem mit Fertigfutter gefütterten Hund tatsächlich eine Art Biowaffe?

Bakterielle Belastung von Rohfleisch

Kürzlich wurde eine Studie zum Thema „Zoonotische Bakterien und Parasiten im Rohfutter für Hunde und Katzen“ veröffentlicht. Ein Forschungsteam der Universität Utrecht hatte 35 Rohfutterrationen untersucht und herausgefunden, dass diese (Überraschung!) bakteriell belastet waren und zudem auch noch Parasiten (in dem Fall Würmer) enthielten. Die Quintessenz der Studie lautet: Rohfütterung stellt eine Gefahr für Hund und Halter dar, denn die im Fleisch gefundenen Bakterien stellen auch eine Infektionsquelle für Menschen dar. Mehrere Veröffentlichungen in Zeitungen und Internetportalen griffen die Studie sofort auf, um völlig unreflektiert vor den unglaublichen Gefahren der Rohfütterung zu warnen oder eine Kennzeichnung von rohen Produkten mit Warnhinweisen zu fordern.

In der Studie wurden 35 Rohfutterproben untersucht, mit dem folgenden Ergebnis:

 

Bakterien bei BARF

 

Wie die Studie zeigt, ist rohes Fleisch – wie nicht anders zu erwarten war – nicht keimfrei, sondern enthält mitunter, auch krankmachende, Bakterien. Diese sind natürlich auch nicht ungefährlich. Das ist auch der Grund dafür, warum zur Vermeidung von Infektionen im Zusammenhang mit Fleischverarbeitung immer wieder auf passende Küchenhygiene (Schneidebrett und Messer in die Spülmaschine, Hände waschen) hingewiesen wird, denn diese Bakterien finden sich nicht nur in dem Fleisch, was im Hundenapf landet. Wir geraten auch dann mit ihnen in Kontakt, wenn wir ein Steak für uns verarbeiten. Nur essen wir das meistens nicht roh, sondern braten es. Das heißt aber nicht, dass die Pathogene nicht weiterhin an unseren Fingern kleben, wenn wir diese nicht waschen, nachdem wir das rohe Fleisch angefasst haben. Da wir das Fleisch für die Hunde gar nicht essen, fällt diese Infektionsquelle im vernünftigen Umgang mit Küchenhygiene also weg. Es bleibt nur der Hund als Infektionsquelle, denn er scheidet über den Kot oder über den Speichel ggf. Keime aus. Die dann auf welchem Wege in unserem Mund landen? Richtig, wenn man sich die Hände nicht wäscht…

Kann aus der o. g. Studie geschlossen werden, dass die Rohfütterung an sich ein Risiko für Mensch und Tier darstellt? Nein! Hierzu müssten weitere Studien durchgeführt werden. Es müsste untersucht werden, wie viele Hunde und Hundehalter tatsächlich wegen der im Fleisch befindlichen Pathogene erkranken und inwieweit sich die Infektionsrate von Nicht-Hundehaltern unterscheidet. Vor allem müsste dann untersucht werden, wie die Infektion erfolgt, also über die Handhabung des kontaminierten Fleisches oder weil der Hund die Bakterien direkt auf seinen Halter überträgt. Das war nicht Untersuchungsgegenstand der genannten Studie, wäre aber notwendig, um Rückschlüsse auf die tatsächlich mit der Fütterung einhergehenden Risiken ziehen zu können.

Weiterhin müsste überprüft werden, wie es um eine mögliche Kontrollgruppe bestellt ist: Wie sieht die bakterielle Belastung bei Fertigfutter aus? Wenn Hundefutter ein potenzielles Ansteckungsrisiko ist, müsste man dann nicht jede Art von Hundefutter untersuchen? Ja, müsste man. Wenn es bei der Forschung darum ginge, Wissen zu erlangen, also herauszufinden, ob Hundefütterung allgemein ein Risiko für Hund und Halter darstellen kann, hätte man das auch getan. Aber wie im Veterinärbereich leider häufig üblich, war die Erlangung von Wissen offenbar nicht das primäre Ziel (dass rohes Fleisch nicht keimfrei ist, wussten wir schon vorher).

Ist Fertigfutter keimfrei?

Warum es notwendig wäre, auch Fertigfutter hinsichtlich möglicher Risiken genauer zu untersuchen, zeigt ein Crowdfounding-Projekt namens „The Pet Food Test“, im Rahmen dessen 2015 unter der Leitung von Dr. Gary Pusillo und Dr. Tsengeg Purejav insgesamt 12 Futtersorten (Trocken- und Dosenfutter) für Hunde und Katzen analysiert wurden. Zwar wurden dabei andere Pathogene untersucht als in der Studie aus Utrecht, weswegen ein direkter Vergleich nicht möglich ist. Nichtsdestotrotz erfährt man, dass Trocken- und Dosenfutter ebenfalls nicht völlig unbedenklich zu sein scheint, im Gegenteil. Getestet wurde u. a. die bakterielle Belastung von Futterproben namhafter Hersteller (darunter Royal Canin, Hills, Frieskies, Cesar, Purina). Das Ergebnis lautete:

 

Bakterien im Fertigfutter

 

All diese Pathogene sind nicht minder gefährlich als die im Rohfutter gefundenen Keime. In 63 % der Fälle erweisen sich beispielsweise Acinetobacter als antibiotika-resistent. Auch einige Stämme von Pseudomonas, Streptokokken und Staphylokokken weisen entsprechende Resistenzen auf. Wie man gut erkennen kann, ist beim Fertigfutter der Anteil kontaminierter Proben recht hoch, in Gesamtheit sogar höher als im Rohfutter. Demnach muss man sich die Frage stellen, ob die Fütterung mit Fertigfutter nicht sogar gefährlicher für Hund und Halter ist als Rohfütterung. Schließlich muss auch hier der Halter das Futter anfassen und der Hund könnte als Ausscheider ebenfalls eine Gefahrenquelle darstellen. Warnhinweise wie etwa, dass man sich nach der Berührung von Trockenfutter die Hände waschen soll, sind auf der Packung dennoch nicht zu finden. Zumindest aber ist diese Untersuchung ein Hinweis darauf, dass es sinnvoll wäre, in einer unabhängigen Studie beide Fütterungsarten zu vergleichen und anschließend mittels Risikogewichtung eine Aussage zu treffen, an Stelle isoliert nur eine Fütterungsart zu betrachten.

Im Übrigen wurde im so genannten „Pet Food Test“ auch andere, für Fertigfutter typische Risikokomponenten untersucht: Sämtliche untersuchten Futterproben enthielten Mykotoxine (Pilzgifte) und in mehreren Fällen entsprach der auf der Packung angegebene Nährstoffgehalt nicht ansatzweise dem, was in der Packung enthalten war (z. B. massive Überdosierung von Calcium, Phosphor). Aber das ist ein anderes Thema.

Fazit

Sowohl in rohem Fleisch, als auch in Trocken- und Dosenfutter tummeln sich eine ganze Reihe von Bakterien. Einige davon sind krankmachend, stellen also möglicherweise eine Gefahr für Mensch und Tier dar. Wie hoch die Gefahr ist, wurde bisher nicht nachgewiesen, weil nicht untersucht wurde, ob Barfer sich häufiger mit solchen Krankheitserregern infizieren als andere Tierhalter oder Nicht-Tierhalter. Es ist auch unklar, ob Hunde ihre Besitzer direkt anstecken oder ob das nur ein theoretisches Risiko ist. Wichtig ist im Zusammenhang mit der Fütterung des Hundes – ob nun Rohfleisch, Trocken- oder Dosenfutter – ist und bleibt daher der hygienische Umgang mit dem Futter selbst und den Hinterlassenschaften des Hundes. Es empfiehlt sich, nach der Handhabung des Futters stets die Hände und die genutzten Gegenstände wie Näpfe, Messer oder Schneidebretter gründlich zu waschen. Gleiches gilt für die Handhabung von Hundekot. Wer hätte das gedacht…?

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Quellen
Van Bree, F. P. J. et al. (2017): Zoonotic bacteria and parasites found in raw meat-based diets for cats and dogs
http://truthaboutpetfood.com/the-pet-food-test-results/

Kommentare zu “BARF – eine Gefahr für die Menschheit?

  1. Lothar Winkler sagt:

    Als Produzent von BARF Futter identifiziere ich mich mit dieser Fütterungsmethode. Namhafte Hersteller von Dosen- und Trockenfutter suchen ständig nach Argumenten die unliebsame Konkurrenz zu diskreditieren. Die Darstellung von Nadine ist unbelastet von Lobbyismus, Sie hat Tips zum Umgang mit allem Tierfutter und hilft eine neutrale Meinung zu vertreten. Ich bin begeistert. Weiter so.

  2. Justus Meigen sagt:

    Ich kenne mich nicht aus mit der Statistik, aber 35 Rohproben klingen etwas wenig. Barfen Fleich wird seit langer Zeit verwendet und viele ausführliche Studien beweisen die positiven Effekte auf die Hunde und Tiere. Gut zu lesen, dass es keinerlei negativen Auswirkungen auf den Menschen hat.

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