Halleluja: BARF ist bedarfsdeckend!

Bedarfswerte BARF

Die Debatte um die Bedarfsdeckung bei BARF ist vermutlich jedem Barfer bekannt und sie nimmt kein Ende. Wer kennt sie nicht, Aussagen wie: „Was, Sie barfen?! Sind Sie verrückt, damit decken Sie doch niemals den xy-Bedarf!“ Wahlweise steht xy dann für Zink, Mangan oder auch Kupfer. Mein vorletzter Blogartikel drehte sich ebenfalls darum, dass es nicht möglich ist, den NRC- Zink- und Manganbedarf des Hundes mit einer normalen BARF-Ration zu decken. Das ist oberflächlich betrachtet, also rein rechnerisch, auch richtig, aber diese Aussage trifft nur dann zu, wenn man die Berechnung des Bedarfs auf Basis des Körpergewichts des Hundes durchführt. Das ist jedoch nur eine von mehreren Methoden der Bedarfswertermittlung…

Methoden der Bedarfswertberechnung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Bedarf an einem bestimmten Nährstoff für ein Lebewesen anzugeben. Bei Menschen werden meist Angaben gemacht, die folgendermaßen aussehen:

  • Zinkbedarf Erwachsene: 7 mg pro Tag (w), 10 mg pro Tag (m)

Dabei spielt es keine Rolle, ob eine Frau 40 kg wiegt oder 120 kg, oder ob ein Mann Bodybuilder ist oder Büroangestellter. Es wird lediglich noch zwischen Kindern, Säuglingen und Schwangeren oder stillenden Müttern unterschieden. Der Rest muss sich mit dieser groben Angabe begnügen.

So einfach ist das freilich beim Hund nicht. Die Angaben erfolgen hier meist bezogen auf das Körpergewicht, oft auch auf das s. g. metabolische. Hier muss also gerechnet werden. Das hat damit zu tun, dass die Streubreite hinsichtlich des Gewichts bei Hunden noch größer ist als beim Menschen: vom 1 kg Chihuahua bis zum 90 kg Neufundländer ist alles zu finden. Der jeweilige Bedarfswert wird von Institutionen wie dem National Research Counsil (NRC) veröffentlicht und sieht dann so aus, bleiben wir gleich mal beim Zink:

  • Methode 1: Zinkbedarf ausgewachsener Hund: 2 mg pro kg metabolisches Körpergewicht und Tag

Daraus ergeben sich für den 1 kg Chihuahua 2 mg, für den 90 kg Neufundländer dann 58 mg Zinkbedarf pro Tag.  Mit diesen Werten sieht es für BARF recht traurig aus, wenn es um die Bedarfsdeckung geht. Denn der Neufundländer nimmt mit seiner BARF-Ration etwa die Hälfte des errechneten Bedarfs an Zink auf. Beschäftigt man sich näher mit dem Thema, sieht man, dass das aufgrund erhöhter Bioverfügbarkeit unproblematisch ist. Dennoch sorgen sich viele Hundehalter um ihre Tiere und würden vermutlich ruhiger schlafen, wenn die Bedarfswerte doch einfach erfüllt wären. Zum Glück ist die Methode 1 der Bedarfswertermittlung aber nicht die einzige, die zur Verfügung steht. Sie wird fast immer verwendet, weil sie einfach zu handhaben ist, aber es gibt noch zwei weitere Möglichkeiten.

Das NRC gibt den Bedarf zusätzlich noch in Gramm pro 1.000 kcal Futter oder pro kg Trockenmasse des Futters an. Das stellt sich dann folgendermaßen dar:

  • Methode 2: Zinkbedarf ausgewachsener Hund: 15 mg pro 1.000 kcal
  • Methode 3: Zinkbedarf ausgewachsener Hund: 60 mg pro kg Trockenmasse

Hier zeigt sich schon die Problematik: Man muss etwas umständlich ermitteln, welche Menge eines Nährstoffs pro 1.000 kcal Futter enthalten ist oder die Trockenmasse des Futters muss berechnet werden.

Wirft man einen Blick auf die Bedarfsdeckung mit BARF und nutzt Methode 2, so erhält man folgendes Ergebnis für eine Auswahl der essenziellen Nährwerte:

Beispiel erwachsener HundME Nährstoffgehalt BARF-RationErhaltungsbedarf NRCSichere Maximalzufuhr NRCErfüllung NRC
Mineralstoffe
Phosphormg2.020750269%
Kupfermg2,41,5160%
Zinkmg17,315115%
Manganmg1,31,2108%
Vitamine
Vitamin Aµg6.795126353.333538%
Vitamin B3mg25,94,3609%
Vitamin B5mg7,8208%
Vitamin B12µg52,28,8597%
Rohproteing99,2
verdauliches Rohproteing7425298%
Rohfettg78,813,883571%
Alpha-Linolensäureg

0,6

0,1545%

Kaum zu glauben, aber wahr! Diese BARF-Ration (Nährwerte ermittelt mit dem BARF-Rechner) erreicht die wissenschaftlichen Bedarfswerte nach NRC für Zink und Mangan problemlos. Auch bei den anderen, hier gezeigten Nährstoffen ist weder eine Unterdeckung zu erkennen, noch eine gefährliche Überdeckung, denn das sichere Maximum ist nirgends überschritten. Übrigens sind auch die Bedarfswerte der anderen essenziellen Nährstoffe problemlos gedeckt. So erreicht man z. B. beim Calciumbedarfswert für Welpen 99 % Deckung. Das dürfte absolut ausreichend sein.

Wie kommt es dazu?

Wie kann es sein, dass BARF mit einer NRC-Berechnungsmethode nicht alle essenziellen Nährwerte liefern soll, mit der anderen aber schon? Bei Methode 1 erzielt man z. B. mit einer normalen BARF-Ration eine Deckung von 45-65 % des Bedarfswerts bei Zink, bei Mangan sogar nur 35-50 %, mit Methode 2 werden hier 115 % und 108 % erreicht. Wie kann das sein…? Zwei mal drei macht vier widdewiddewitt und drei macht neune…? Nein, es hat vermutlich etwas mit dem Energiebedarf des Hundes zu tun. Bei Methode 2 wird davon ausgegangen, dass Hunde einen bestimmten Energiebedarf haben, der mit einem Futter gedeckt werden muss. Dieser Bedarf kann natürlich auch berechnet werden. Dadurch, dass viele gebarfte Hunde etwas weniger Energie benötigen als es der errechnete NRC-Wert es vorsieht, erhält man hier „schönere Werte“. Auf der anderen Seite muss hier natürlich auch ein gegenläufiger Effekt berücksichtigt werden: Die Energiedichte des Futters. Bei BARF ist diese höher als bei Fertigfutter, denn 1 kg BARF (Trockenmasse) liefert wesentlich mehr Energie als 1 kg Fertigfutter (Trockenmasse), was mit dem höheren Fettgehalt zu tun hat. Bei BARF sind also in 1.000 kcal Futter auch weniger Nährstoffe enthalten. Das dürfte den Effekt der geringen Futtermenge gewissermaßen ausgleichen.

Fazit

Glück gehabt, BARF ist doch bedarfsdeckend nach NRC, sogar für Zink und Mangan. All jene, die mit dem Thema Bioverfügbarkeit nicht so wirklich ruhig schlafen konnten und stets versucht haben, mit den gewichtsbasierten Bedarfswerten irgendwie eine Ration hinzubiegen, die bedarfsdeckend ist, können aufatmen. Unnötige Zink- und Mangansupplemente kann man guten Gewissens als Pflanzendünger einsetzen oder sich gleich das Geld sparen. Der Taschenrechner kann beiseitegelegt werden. Verwendet man die richtige Berechnungsmethode, so ist BARF rechnerisch bedarfsdeckend, sogar ohne Berücksichtigung der Bioverfügbarkeit.

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Quellen: NRC (2006): Nutrient Requirements of Dogs and Cats

Kommentare zu “Halleluja: BARF ist bedarfsdeckend!

  1. Susanne Stein sagt:

    Hallo Nadine,
    Sorry, aber nach dieser Tabelle gehen sich Zink, Mangan und vielleicht noch Kupfer gerade so aus wenn man die prozentualen Werte vergleicht und behauptet, dass das dann ja passt. Alles andere erscheint mir hoffnungslos überdosiert und außerhalb jeglicher physiologischer Zusammenhänge, denn auch die anderen Nähr- und Vitalstoffe sollten doch nicht nur bedarfsdeckend vorhanden sein sondern auch in einem adäquaten Zusammenhang vorliegen. Kalzium fehlt mir in dieser Tabelle; ist nicht das Ca/P-Verhältnis irgendwie wichtig?
    Da alle anderen genannten Nährstoffe in so sehr in die Höhe abweichendenMengen vorliegen, provoziert das denn dann nicht die so vielbeschworenen sekunderen Mängel an Zink, Mangan oder Kupfer oder Eisen oder oder???
    Ich muss dazu sagen, dass ich bezüglich darauf jetzt nicht das prozentuale Verhältnis der Nährstoffe zueinander aus beiden Versionen berechnet habe. Nur, diese ausgesprochen deutlichen, Abweichungen hier machen mich sehr stutzig. Und betroffen.
    Ich habe eine jagdliche Ausbildung und schon einiges an Wildbret zerwirkt. Niemals stimmt Ihr angeführtes Verhältnis von Protein zu Fett. „Das Beutetier“ der Caniden ist alles mögliche, aber nicht dermaßen fett wie hier suggeriert.
    Die mir bekannten Dosenfuttersorten deklarieren einen Futterbedarf vom doppelten bis dreifachen der Futtermenge einer Barfration von 2% nach Swanie. Nährstoff-Überschreitungen im Bereich von 500 und mehr Prozent pro 1000 K-Kalorien machen für nich keinen Sinn. Was soll das beweisen? Wenn mein Hund 1000 Kalorien braucht, sollten darin soundsoviel Nährstoffe sein und nicht 300 bis über 500 Prozent mehr. Dann dürfte ich ihn ja nur alle drei bis vier Tage füttern. Oder? Ich sehe per sé die kritische Bedarfs-Überdeckung überschritten, da in der Tabelle nur zwei dieser Werte lt. NRC überhaupt angegeben sind. Daraus, dass NRC eventuell keine weiteren Höchstwerte angibt, kann ich nicht schließen, dass die hohen Werte der Barf-Ration langfristig sicher oder gesund oder überhaupt notwendig sind. Ich vermute eher, dass diese Werte eventuell nie erforscht wurden, da Futtermittelhersteller immer froh sind, wenn sie nicht viel Geld in ihr Produkt stecken müssen und daher auch nur das Nötige hineinstecken.
    Wenn der Ca-Bedarf von Welpen zu 99 % gedeckt ist, der Wert in der Tabelle aber gar nicht zum Vergleich kommt, kann ich Ihnen das glauben, muss ich aber nicht. Wenn das aber zutrifft, wäre doch Ca für erwachsene Hunde komplett zu hoch dosiert. Oder?
    Wenn Sie Zeit und Lust haben, bitte auch gern eine Erläuterung an privat, falls Sie diese Frage nicht auf Ihrem Blog diskutieren möchten.
    Vielen Dank,
    Susanne

    • Nadine Wolf sagt:

      Hallo Susanne,

      das ist tatsächlich vollkommen normal – also dass man über dem empfohlenen Nährwert liegt. Eine Überdosierung ist es deswegen nicht. Die tritt erst dann auf, wenn das sichere Maximum oder die sichere Obergrenze überschritten ist. Diese unterscheidet sich von Nährstoff zu Nährstoff. Bei wasserlöslichen Vitaminen oder Aminosäuren bzw. Protein gibt es diese Grenze z. B. gar nicht, bei Vitamin D und Vitamin A ist sie klar definiert, bei anderen Werten geht man eben von bestimmten Obergrenzen aus, die in Studien ernmittelt wurden. Würdest Du ein ganz normales Fertigfutter durch so eine Analyse jagen, kämst Du zu einem noch krasseren Ergebnis. Ein gutes Beispiel ist der Jodbedarfswert (schau mal diesen Beitrag dazu an). Die Abweichungen kommen auch zustande, wenn Du einen Futterplan mit dem NRC-Wert berechnest, der sich auf das Gewicht bezieht. Zum Beispiel erreichst Du da bei Vitamin A eine Bedarfswerterfüllung von etwa 1.000 % (eintausend, ich hab mich nicht vertippt). Das ist aber absolut normal, weil im Beutetier nur einmal recht viel Leber enthalten ist (je kleiner, desto mehr – eine Maus besteht zu 5 % aus Leber) und damit wird tatsächlich so viel Vitamin A zugeführt. Man hat also bei beiden Berechnungsvarianten bei bestimmten Nährstoffen eine Überdeckung des Bedarfswertes – aber eben nicht zwingend eine Überdosierung. Das sind zwei paar Schuhe. Höchstwerte sind fast immer angegeben vom NRC. Die werden aber mit einem Beutetier nicht erreicht, wohl aber führt man mit einem Beutetier bei einigen Bedarfswerten weit mehr zu als der Bedarf eben als Minimum angibt. Es ist nicht möglich, ein Tier mit natürlichen Zutaten so zu ernähren, dass z. B. sämtliche Bedarfswerte zu genau 110 % erfüllt sind.

      Zum Thema Fett: Wir orientieren uns hier an durchschnittlichen Werten für passende Beutetiere. Studien ergeben – wenig überraschend – dass der Fettgehalt Ende des Winters geringer ist als Ende des Sommers. Betrachtet man z. B. den Körperfettgehalt von Hirschen, so beträgt der zwischen 5 und 15 % bezogen auf das Körpergewicht ohne Darminhalt (siehe z. B. Validation of mule deer body composition using in vivo and postmortem indices of nutritional condition). Der Körperfettgehalt bezogen auf das Lebendgewicht ist also noch etwas höher. Wir reden bei BARF ja nicht vom Gesamtfettanteil, wenn wir mindestens 15 % Fett empfehlen, sondern vom Muskelfleischanteil. Wenn das Muskelfleisch 15 % Fett enthält, beträgt der Fettgehalt einer BARF-Ration (die das ganze Beutetier nachstellen soll), 10 %. Dieser Wert liegt genau zwischen den 5-15 %, die die untersuchten Hirsche hatten. Schaut man sich Feldhasen an, so sind die natürlich etwas magerer, Wildschweine hingegen sind wieder etwas fetter. Man darf sich hier nicht auf das Augenmaß verlassen, sondern muss hier die Analysewerte hernehmen. Ein Fettgehalt von 10 % bezogen auf das Beutetier ist nun auch nicht so unglaublich viel. Ein Blick auf uns Menschen genügt da. Eine Frau, mit einem Köperfettanteil von 20 % ist schon schlank, mit 15 % wäre sie super schlank, hätte sie 10 % Körperfett, würde sie als extrem dünn wahrnehmen. Fett befindet sich ja auch im Körper an unterschiedlichen Stellen. Ein Kaninchen z. B. gilt ja als sehr mageres Tier. Die Nieren eines Kaninchens wiegen etwa 13 g, das Fett, was die Nieren umgibt, wiegt 14 g. Das zeigt, dass 10 % Fett bezogen auf die Gesamtration absolut nicht unrealistisch sind, wenn man von gemischten Beutetieren ausgehen würde (der Verzehr von ausschließlich Kaninchen würde z. B. zum s. g. Kaninchenhunger führen). Und natürlich geben Dosenfutterhersteller viel höhere Futtermengen an: Sie fügen ja oft Wasser hinzu, um Fleisch zu sparen oder setzen den Fettanteil so gering an, dass man massenhaft davon füttern muss.

      Der Calcium-Bedarfswert für Welpen ist doch viel höher als der für erwachsene Tiere. Für Welpen beträgt er laut NRC 680 mg pro kg metabolisches Körpergewicht oder eben 3 g pro 1.000 kcal. Für erwachsene Hunde liegt er bei 130 mg pro kg metabolisches Körpergewicht oder aber 750 mg pro 1.000 kcal. Ein Welpe wiegt aber auch viel weniger, frisst aber ein Vielfaches. Mit BARF deckt man den NRC-Bedarf für Calcium bezogen auf das Körpergewicht zu etwa 50 %. Mit der Formel pro 1.000 kcal erreicht man eben ca. 99 %. Beim erwachsenen Hund erreicht man hier schon höhere Werte. Das hat aber damit zu tun, dass die NRC-Werte für Calcium bei Welpen extrem hoch angesetzt sind (der Grund dafür wird hier erläutert). Das kann man alles selbst nachrechnen – ich erwarte nicht, dass man mir diesbezüglich vertraut. Ich bin selbst ein skeptischer Mensch und rechen lieber alles erst einmal selbst nach. Sicherlich kommt man nicht immer auf das exakt gleiche Ergebnis, weil man ja dann exakt die gleichen Nährwertdatenbanken verwenden müsste und dort auch noch die gleichen Futtermittel auswählen muss. Aber nachrechnen kann man es ja problemlos.

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